Plötzlich Landei: Wenn der Umzug sich wie ein Tatort anfühlt

Dunkelheit, Dunkelheit, Dunkelheit – auch mein Autoscheinwerfer kann gegen 23 Uhr den dichten Tannenwald kaum noch durchdringen. Die letzten Meter mit meinem Umzugswagen zu meiner neuen Wohnung in Ebersbach-Musbach fühlen sich nach Tatort an – hinter der nächsten scharfen Kurve könnte mitten auf der Landstraße die entsprechende Leiche auftauchen.

Abgesoffen und abgenervt

Noch einmal den Motor aufjaulen lassen. Nichts. Noch ein zweites Mal den Motor aufjaulen lassen – dann entscheidet sich der Umzugswagen doch noch den Berg hochzufahren. Nur einige Kilometer weiter: der nächste Berg – und wieder säuft der Motor ab.

Ein Gang runterschalten

„Du musst runterschalten“, sagt Alex, der zusammen mit seiner Freundin Moni dicht an dicht gedrängt neben mir sitzt. Hinter uns: Umzugskartons, vollgepackt mit Tassen, Tellern, Büchern, Aktenordnern – und, und, und. Oder, oder, oder.

Über Landstraßen poltern

In jeder scharfen Kurve hörte sich der Umzugkram so an, als würde er gerade bei einem Polterabend komplett zerstört werden. „Du musst runterschalten“, sagt Alex ein zweites Mal. Oder war es schon das vierte Mal? Ich zähle Alex, scharfe Kurven und die Berge nicht mehr mit, je weiter wir zu dritt in den Süden Deutschlands vordringen.

Leben im Tannenwald?

Das, was der Scheinwerfer des Autos nach links und rechts erhellt, lässt gegen 23 Uhr noch viel Raum für Spekulationen. Hier und da blitzen Tannen auf. Schließlich hüllt uns ein ganzer Tannenwald ein. Sollte meine Wohnung tatsächlich mitten auf der Bergspitze eines Gruselwaldes liegen? Befinde ich mich gerade in einem neuen Roman von Stephen King?

Bauernhof in Sicht

Als wir eine halbe Stunde später vor dem denkmalgeschützten Bauernhof in Ebersbach-Musbach ankommen, zerstreut sich diese Fantasie. Nur noch vereinzelt stehen Bäume direkt vor dem mehrere hundert Quadratmeter großen Grundstück. Vor der Einfahrt winkt mir mein neuer Vermieter zu, den ich bis dahin nur vom Telefon her kenne.

Was zur Hell ist Ebersbach-Musbach?

580 Meter über dem Meeresspiegel hoch
1700 Einwohner (stand 2017)
– eine Halbe Autostunde von Ravensburg entfernt
– Beide Teilorte (Ebersbach und Musbach) wurden erstmals im 13. Jahrhundert Genannt (Quelle: Wikipedia)

Bier auf, Augen zu

Ich erzähle meinem Vermieter kurz, dass ich die letzten 750 Kilometer von Bremerhaven nach Baden-Württemberg gut durchgefahren bin. Dann köpfen meine Freunde und ich noch einige Kronkorken von in Kartons liegenden Bieren und schlafen schon bald tief auf unseren Matratzen.

Nächster Morgen: Postkarten-Moment

Als wir am nächsten Morgen gegen 8 Uhr aufstehen, um den Umzugswagen in Friedrichshafen am Bodensee abzugeben, überrascht uns folgender Ausblick:

Krass oder krass?
Krass oder krass? Mein Ausblick, wenn ich morgens aus dem Haus gehe.

Meine neuen Nachbarn: Katzen und Pferde

„Bei gutem Wetter kann man auch die Schweizer Alpen sehen“, sagt mein Vermieter, als er uns vor dem Hofeingang staunen sieht. Er selbst hat sich das Haus vor 25 Jahren gekauft, um es nach und nach zu sanieren. Mittlerweile lebt er dort mit seiner Familie, Pferden, wilden & Hauskatzen und einigen Mietern, so wie ich nun einer in Ebersbach-Musbach bin.

Wie mir nachts auf der Autobahn der Reifen geplatzt ist und warum die Polizei mich für fahruntauglich hält, schreibe ich jeden Sonntag auf NEUSUCHT.blog

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