Armut überall: Was tun?

Armut ist in Berlin für alle offensichtlich, wie auch ich sie in Neukölln täglich erlebe: Junge & ältere Menschen, die in U-Bahnen nach Geld fragen, oder dort eine Zeitung verkaufen wollen. Menschen, die ihre Schlafsäcke und Isomatten vor Kaufhäusern ausrollen, aus dessen Schächten warme Luft auf die belebten Straßen davor geblasen wird.

Verdeckte Armut hingehen taucht weniger in Statistiken auf, weil betroffene Familien, Kinder und Jugendliche nicht offiziell als arm gelten – auch wenn verdeckte Armut für betroffenen Personen sehr real ist. Es braucht mehr Aufmerksamkeit, um dagegen vorzugehen.

Heute im Bus: Eine Lehrerin stört, dass ihr Schüler laut Musik übers Handy hört, anstatt dafür Kopfhörer zu benutzen. Der Junge erklärt, dass er sich momentan keine neuen Kopfhörer leisten könne. Es bleibt unklar, ob ihm das Taschengeld wirklich fehlte, es dafür nicht ausgeben wollte oder die Lehrerin ihn einfach genervt hat.

Armut steigt seit Jahren

Dieses Beispiel kann jedoch aufzeigen, wie verdeckte Armut oft unsichtbar bleibt. Gerade wenn Menschen nach einem langen Arbeitstag müde in den Bus steigen und keine Ressourcen haben, um sensibel darauf zu achten – oder nach Feierabend aktiv gegen Armut vorzugehen. Für andere fehlt vielleicht die Idee, wie eine einzelne Person etwas grundlegendes bewirken kann. Die fehlt mir übrigens auch!

„Viele müssen den Schulalltag mit leerem Magen überstehen, frieren im Winter mangels warmer Kleidung, leiden unter Ausgrenzung […] 

Verlust der Arbeit, ein Unfall, eine schwere Krankheit oder eine Scheidung können Familien akut in dramatische Notlagen bringen“,
Deutsches Kinderhilfswerk

Weltweit leben ca. 700 Millionen Menschen in Armut (Weltbank, 2020). Aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen spricht man im Vergleich auch von relativer Armut. In Deutschland gilt jemand als armutsgefährdet, wenn er oder sie weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient. Zu ihnen gehören vor allem Alleinerziehende, Arbeitslose oder Migrant:innen (bpb, 2017). Menschen, die weniger als 40 Prozent des durchschnittlichen Einkommens erhalten, gelten in Deutschland als arm, was 13,8 Millionen Menschen (Stand: 2021) betrifft. Das sind 600.000 mehr als noch vor der Pandemie (Paritätische Wohlfahrtsverband, 2022).

Ursachsen sind unter anderen niedrige Löhne und Renten. Die Weltbank schätzt, dass die COVID-19-Pandemie die globale Armutsrate um etwa 1,4 Prozentpunkte erhöht hat, was bedeutet, dass zudem weitere 120 Millionen Menschen in extreme Armut geraten sind.

Im größeren Zeitraum betrachtet, ist die Armutsrate zwar relativ rückläufig: Zwischen 1990 und 2015 hat sich die Zahl der Menschen in extremer Armut weltweit von fast 2 Milliarden auf weniger als 700 Millionen verringert. Doch hilft es Menschen aktuellen nur, wenn Erfolge vertieft werden und nicht über existierende Armut hinwegtäuschen.

Armut: Person(en) verfügen nicht ausreichend über Ressourcen, um grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen: Nahrung, Unterkunft oder Kleidung

Extreme Armut: Ressourcen für grundlegendste Bedürfnisse fehlen gänzlich: Nahrung, sauberes Wasser, Unterkunft und Gesundheitsversorgung

Verdeckte Armut: Situation, in der eine Person oder eine Gruppe offiziell nicht als arm gilt, aber dennoch in Armut lebt oder von Armut bedroht ist

Reformen: Armut braucht Aufmerksamkeit

In Deutschland ist jedes fünfte Kind armutsgefährdet, insbesondere Jugendliche im Alter von 18 bis 24 Jahren (Bertelsmann, 2018 & 2020). Je geringer der Bildungsstand, desto höher dabei das Risiko. Dies ist besorgniserregend, da Kinder aus armen Familien oft härter arbeiten müssen, um aus der Armut wieder auszubrechen. Armut erhöht darüber hinaus das Risiko für Krankheiten wie Karies, Bluthochdruck und psychische Erkrankungen.

Im Deutschland haben Reformen wie das Starke-Familien-Gesetz (2019) familienpolitische Sozialleistungen erhöht. Zu den Maßnahmen gehören auch die geplante Kindergrundsicherung, die Kindergeld und -freibetrag, Hartz-IV-Leistungen oder Kinderzuschlag zusammenführen und ausbauen soll (AFP, 2023). Ab Mitte 2023 soll zudem ein neuer Kulturpass junge Menschen und die Kultur unterstützen: Jeder, der im Jahr 2023 volljährig wird, soll 200 Euro für Theaterbesuche, Konzerte, Opern, Kinos, Ausstellungen oder auch Bücher erhalten.

Jedoch: Von dem Kulturticket sollen Jugendliche nur einmalig profitieren und im Vergleich auch nur ein geringer Personenkreis. Das Angebot könnte auch jungen Menschen zugute kommen, denen wegen gestiegener Kosten weniger gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wird. Und: Die neue Kindergrundsicherung sollte zügig umgesetzt werden, um Familien in Krisenzeiten schneller zu unterstützen. Die Hilfen müssen einfacher in Anspruch genommen werden können. Am besten online, aber bei Bedarf auch vorort.

Quelle: GPT3 (Chatbot)

Fazit

Die Situation von Personen in (verdeckter) Armut braucht mehr Aufmerksamkeit, um sie zu verbessern – insbesondere nach den Lockdowns der letzten Jahre sowie den aktuellen Preisanstiegen. Sie dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden, um ihre Situation nicht zusätzlich zu verschärfen. Wichtig ist die Unterstützung durch die gesamte Gesellschaft. Gleichzeitig ist es wichtig auf die Unterschiede von Armut aufmerksam zu machen, damit die Maßnahmen zielgenau und langfristig helfen.

Viele Jugendliche und Kinder, die wenig oder kein Geld von ihren Eltern bekommen können oder wollen, bleiben weiterhin unentdeckt, weil sie sich bewusst sind, dass ihre Eltern finanziell belastet sind. So machen sie das Beste aus der Situation, wie vielleicht auch der Junge im Bus von heute morgen.

Das Deutsche Kinderhilfswerk hilft Kindern und Jugendlichen & kann durch Spenden bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Weitere Infos unter: https://bit.ly/3YEaEyE

Aktuell sind rund 262.000 Menschen in Deutschland wohnungslos. Die Johanniter-Kältehilfe unterstützt obdachlose und hilfebedürftige Menschen. Weitere Infos unter: https://bit.ly/3YBypYc

Quellen:

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